Das Handy

Nach dem Espresso fuhr ich in den Park um eine Weile die Nachmittagssonne auf der Haut zu spüren. Ich setze mich auf eine Bank, die von der Sonne beschienen wurde. Vielleicht Zehn oder Fünfzehn Meter vor mir lagen auf einer Decke zwei Frauen mit zwei Kleinkindern, die auf der Wiese kleine Ausflüge in die Umgebung machten. Eines der Kinder kam in meine Richtung und fand die Kieselstreu auf dem Weg wohl interessant. Die Mutter holte es zurück. Die Steine sind Aua und Pfui. Nach einer kleine Weile hatte das Kind die Mahnung vergessen und machte sich wieder auf den leichten Anstieg in Richtung Kieselweg. Das Gefühl unter den Füßen war zu verlockend. Auch diesmal wurde es von der jungen Mutter wieder zurück geholt. Die Bank wurde mir zu hart und ich beschloss mich etwas weiter weg doch auf die Wiese zu legen. Ich zog das Shirt aus und benutzte es als Unterlage für meinen Oberkörper und legte mich auf den Rücken geradewegs in die noch kräftige Sonne. Unter den Kopf den Rucksack, dann schloss ich die Augen genoss die Strahlen auf meiner Haut. Dann begann die Sache eine merkwürdige Wendung zu nehmen. Das Kind kam wieder in meine Richtung gelaufen. Ich war gut zehn Meter weiter weg wie vorher. Ich kannte weder die jungen Frauen noch die Kinder. Der Mutter war das wieder zu weit und sie holte es wieder zurück. Das beobachte ich, weil ich die Stimme der Mutter hörte und in ihre Richtung sah. Dann verging einige Zeit. Ich hatte die Augen wieder geschlossen und hörte den Lärm und die Stimmen um mich herum. Hinter mir saß ein junges Pärchen auf einer anderen Bank und alberte herum. Später sah ich, dass sie ausgesprochen hübsch war. Ich war etwas verblüfft. In ihrer Stimme hatte ich diese Schönheit nicht bemerkt. Ein paar Jungs gingen vor mir irgendwo vorbei, ich sah nicht hin, hörte sie nur. Dachte daran, dass ich vollkommen ungeschützt da lag. Oft wurde auf dieser Wiese gekickt und ich verspürte Angst unverhofft von einem Ball getroffen zu werden. Oder irgendein Idiot spielt mit einem Messer herum und das Ding landet in meinem Bauch. Ich malte mir aus was ich tun könnte. Das Handy steckte in meiner Tasche, Notruf 112, Notarzt. Ich verfolgte diesen Gedanken aber nicht weiter. Dann kam das nächste Problem auf mich zu. Es gibt viele Tauben in der Stadt. Was wäre wenn ich von einem großen Taubenschiss mitten ins gesunde Auge getroffen würde. Scheiße. Was tun? Wieder malte ich mir aus, was kann ich tun. Ich hatte zwar eine Flasche Wasser dabei, aber die würde nur für eine erste notdürftige Spülung reichen. Der Dreck würde mir das Auge verätzen. Schnell ins Theater, das ist nicht sehr weit und dort gibt es Toiletten. Sie würden mich sofort einlassen, wenn sie die Bescherung in meinem Gesicht sehen würden. Die nächste sprudelnde Wasserquelle allerdings wäre die Fontäne im Weiher gewesen. Also würde ich zuerst dorthin Rennen und meinen Kopf in die Fontäne halten. Ich dachte an das Wasser im Weiher, an die Drecksbrühe die voller Entenscheiße war, da musste ich durch. Aber egal, das Auge zu Retten war wichtiger. Wenn ich im Wasser wäre, würde das natürlich auffallen. Die Polizei oder zumindest ein Hilfspolizist würde am Ufer auftauchen und mich auffordern sofort aus dem Wasser zu kommen. Auch dem müsste ich klar machen, dass es ein Notfall war und keine Anarchie, die mich in den Teich zwang. Aber ich lag ja noch auf der Wiese und versuchte meine Paranoia als Konstruktive Paranoia zu sehen. Es könnte ja sein und dann sollte man vorbereitet sein auf das was kommt. Ich machte die Augen auf weil etwas auf meiner Brust gelandet war. Das kleine Mädchen hatte es geschafft unbemerkt von Mutter und mir in meine Richtung zu laufen und hatte mir das Handy der Mutter auf die Brust gelegt und schaute mich an. Leicht verblüfft sagte ich nur „oh mein neues Handy…“ Da kam auch schon die Mutter und ich war es wieder los. Sie schnappte Handy und Kind und ging zu ihrer Decke. „Mein Handy“ hörte ich noch. Dann wurde das Kind dazu verdammt im Buggy zu sitzen. „Soll ich den Papa anrufen“ drohte die Mutter, „der hat dich dann nicht mehr lieb“ und so weiter. Das Kind quengelte nur noch, irgendwann wurde es dann still. Es hatte aufgegeben. Ich gab auch auf, packte meine Sachen und fuhr nach Hause. Was sollte ich tun? Das Kind würde ein seelischer Krüppel werden. Die Mutter würde nichts aber auch nichts begreifen wenn man ihr vorhalten würde was für eine herzlose Kreatur sie ist. Der Mann würde den Helden spielen müssen. Alles würde in einem fürchterlichen Gemetzel enden. Zum Schluss würde ich noch verdächtigt mich an Kinder heran zu machen und sie verführen. So machte ich mich vom Acker und überließ sie ihrem Schicksal.

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