Athen Reise II Rückflug

Athen Reise II

Rückflug von Athen

Diesmal ist alles einfacher. Diesmal gebe ich das Auto unbeschädigt zurück. Kein Totalschaden, keine Hektik, alles verläuft nach Plan. Und als krönender Abschluss von Griechenland bekomme ich auf meinem letzten Halt auf der Autobahn zum Flughafen. Eigentlich nicht nötig, aber ich hatte noch Zeit. Es hatte keinerlei Verzögerungen auf der kaum benutzten Autobahn gegeben. Nur noch ein paar Kilometer und der Horror von der letzten Reise ist fast aufgehoben. Es geht auch anders. Die Raststätte ist fast Menschenleer. Ich bestelle ein „hot chocolate“ wie so oft. Ich will keinen Kaffee mehr vor dem Abflug trinken. Die Wirkung ist mir zu stark. Ich bekomme zum ersten Mal in Griechenland tatsächlich eine heiße Schokolade. Schokolade Flüssig. Kein Kakao mit Milch. Sondern echte heiße Schokolade, dick und zähflüssig. Genial. Ich suche mir ein schattiges Plätzchen, draußen auf der Terrasse. Unter mir sehe ich sogar mein Auto. Ein guter Tag. Ich schreibe noch ein bisschen und behalte die Uhr im Auge. Dann noch ein Gang auf die ausgesprochen saubere Toilette und ich fahre die letzen Kilometer zum Flughafen. Auf die Minute bin ich da. Meine Freundin von der Autovermietung kommt zu meinem Parkplatz. Ich packe meine Sachen zusammen und lade aus. Sie geht ums Auto, alle ok, der Schlüssel eine letzte Unterschrift und schon ist sie verschwunden. Ich gebe mein Gepäck auf und merke, ich hätte doch noch ein paar Mitbringsel einpacken können. Was solls. So war ich auf der sicheren Seite. Dann das übliche. Durch die Kontrolle und alle Flüssigkeiten in den Müll. Mittlerweile habe ich das gelernt. Und ich habe eine leere Wasserflasche dabei. Am nächsten Wasserhahn fülle ich sie dann in der Regel wieder auf. In Volos wird mir dabei bewusst, wo ich bin. Der Flughafen ist weit von jeder Ansiedlung entfernt. Wer weiß was da für Wasser aus der Leitung kommt. Also Flasche in den Müll und doch noch eine kleine Wasserflasche kaufen für unterwegs. ¾ Liter kostet nur 50 Cent. Dagegen gibt es nichts zu sagen. Sonst kostet ein halber Liter 50 Cent. Dagegen ist eigentlich auch nichts zu sagen. In Hahn kosten ein solches Fläschchen das Fünffache, 2,50 Euro. Dann in den Flieger und ab. Eine ganz besonders pingelige läuft durch die Reihen der Mitflieger und fordert sie auf alle losen Sachen in die Taschen und Rucksäcke zu packen. Am Ausgang zum Flieger fangen sie dann noch mal an die Gepäckgröße des Handgepäcks zu überprüfen. Der Flieger ist ziemlich voll. Ich denke mir schon, dass es schwierig sein wird einen einigermaßen bequemen Platz zu finden. Viele der Sitzreihen werden mit drei Personen besetzt sein. Gut für die Gesellschaft, eng für die Passagiere. Also hinein. Die Profis sind natürlich alle zuerst da. Wer zuerst in den Flieger kommt, kann noch wählen. Wer will kann das auch Bezahlen und kommt als Bevorzugt vor allen anderen in den Flieger, freie Platzwahl bis auf. Dann gibt es noch jene die ganz sicher sein wollen, noch was drauflegen und einen festen Platz im Voraus buchen. Ich steige immer hinten ein und eher am Ende der Schlange und fand bisher immer ein Plätzchen am Mittelgang und nur ein paar Reihen von Ausgang und Klo entfernt. Es ist tatsächlich schon ziemlich voll. Fast durchgängig dreireihig besetzt und alle sind damit beschäftigt ihre Habseligkeiten in den Stauraum über den Sitzen zu verstauen. Ein ziemliches Gewusel. Ich sehe einen Mann allein am Platz am Mittelgang sitzen. Ich frage ob die anderen Plätze noch frei sind. Und was für ein Wunder ich ergattere den Platz am Fenster und sogar der mittlere Sitz bleibt frei. Niemand muss sich mehr zwischen uns klemmen. Gegenüber des Ganges sitzt der Rest der Familie des Mannes, die beiden Kinder am Fenster und die Mutter neben dem Vater nur durch den schmalen Gang getrennt. Sie hat ein bisschen Angst. Vielleicht ist sie noch nie geflogen. An der Sprache glaube ich Arabisch zu erkennen. Dann geht es endlich los. Hurra, endlich mal ein Platz am Fenster. Ungehinderte Sicht nach unten. Der Rest ist mittlerweile Routine. Der schönste Moment ist wenn der Schubhebel in die Vollgasstellung gebracht wird und die Beschleunigung für am Anfang ständig zunimmt. Ab geht die Post. Die Räder verlieren den Bodenkontakt und es wird ruhiger. Wenn wir nach einigen Minuten Reisehöhe erreicht haben, wird es noch ruhiger sein und das Rauschen der Luft und der Triebwerke wird zur Hintergrundkulisse. Dann läuft irgendwo ein Film zu laut und keine Kopfhörer. Mein Geist triftet ab. Ich lese, schreibe und überlege ob es sich lohn den Fotoapparat aus dem Rucksack zu kramen. Welches Objektiv soll ich draufmachen. Ich lasse es. Es ist ohnehin kaum etwas zu erkennen. Über die Lautsprecher eine Durchsage ob ein Arzt an Bord ist. Auf einem anderen Flug erlebte ich das auch schon mal. Damals verlief aber alles glimpflich und wir landeten planmäßig. Diesmal wurde die Frage wiederholt und nach einer Weile, wir hatten die Hälfte des Fluges schon hinter uns kam die Meldung wir müssten leider wegen eines kranken Passagiers einen Notstopp einlegen und würden in wenigen Minuten in Bergamo Zwischenlanden. An Bord hatten sich zwei Ärzte gemeldet und dem Kapitän empfohlen den Mann sofort ins nächste Krankenhaus bringen zu lassen. Also wurde schnell alles zur Landung vorbereitet. Alle auf ihre Plätze und alles verstaut und noch während die Crew durch den Gang huschte begann auch schon der Sinkflug. Etwas wacklig durch die Wolken, unten leichter Regen. Wir stehen auf dem Rollfeld. Krankenwagen, extra Hebebühne für Notfälle. Ein ganzes Team in Rettungsuniformen kam vorne in den Flieger. Es dauerte eine ganze Weile bis der Passagier notversorgt war und aus dem Flieger gebracht werden konnte. Durchs mein Fenster konnte einen Tankwagen sehen der neben dem Flugzeug in Stellung ging. Ein Mann legte Schläuche und Kabel zum Flieger. Der Zwischenstopp machte eine Nachttankung nötig. Das alles dauerte. Dann dir Türen waren schon wieder verschlossen, kam die Meldung dass nicht geklärt werden konnte ob die beiden Passagiere die das Flugzeug verlassen hatten. Gepäck aufgegeben hatten. Nach den derzeitigen Bestimmungen darf aber kein Gepäck ohne Passagier fliegen. Verständlich. Also musste alles Gepäck ausgeladen, auf der Rollbahn ausgebreitet werden und alle Passagiere die ein Gepäckstück aufgegeben hatten mussten raus aus dem Flieger und ihr Gepäckstück ausfindig machen. Dazu wurden die Türen des Fliegers natürlich wieder geöffnet werden. Nun wurden vorne und hinten Treppen angefahren. Von hinten nach Vorne mussten alle Passagiere mit Gepäck vorne aussteigen, Koffer identifizieren, diese wurden sofort von Hand wieder eingeladen und dann durfte man hinten wieder einsteigen. Es war nicht wenig Gepäck und so dauerte der ganze Vorgang noch eine Stunde. In der Zwischenzeit, diverse Blasen drohten mit überlaufen, mussten die längst verschlossenen Toiletten wieder geöffnet werden um eine Aufstand der Notleidenden zu Verhindern. Mein Nachbar, mit Frau und zwei Kindern auf dem Weg ins gelobte Deutschland wurde immer unruhiger. „Was für ein Aufwand“ und alles nur wegen einem… sagte er auf Englisch. „Alle müssen Warten nur wegen einem…“ Ich schaute ihn nur an und sagte nicht. Ich hätte ihm gerne in Arabisch meine Meinung gesagt, so kam er um eine Ansprache herum. Mein Englisch ist nicht so besonders. Ich war platt. Da sitzt so ein Arsch vom Arsch der Welt, kann es kaum erwarten nach Deutschland zu kommen, Frau und zwei kleine Kinder im Schlepptau und beschwert sich, dass er Aufgehalten wird, weil da ein Mensch krank ist und Hilfe braucht. Ich war platt. Und ich mutiere zum gnadenlosen Ausweiser solcher Kreaturen. Wer braucht solche Kreaturen? Seine Kinder sicher auch nicht. Obwohl, ich hätte ihn nicht hören wollen wenn es um eines seiner Kinder gegangen wäre. Bei seiner Frau bin ich mich nicht einmal so sicher, aber seine Kinder. Wobei die Betonung auf SEINE liegt. SEINE Mitmenschen kommt in seinem Sprachgebrauch und Denken wahrscheinlich nicht vor.

Nun wir starten dann doch noch und nach einer guten halben Stunde landen wir dann endlich in Hahn. Mittlerweile ist es Abend geworden. Der Tag der so schön begann endet in leichtem Regen und einem fauligen Nachgeschmack an einen Asozialen, Selbstsüchtigen und Selbstgerechten Menschen. Im Grunde endete die Reise so wie sie einmal angefangen hatte. Es hatte sich nichts geändert.

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