Fühlen

„Wir werden in aller Regel, von ganz ganz wenigen Ausnahmen abgesehen mit der biologischen Ausstattung zum Fühlen geboren. Das Fühlen ist uns angeboren. „Fühlen“ ist ein Grundbaustein des Lebens. Selbst Einzeller „Fühlen“. Was nicht angeboren ist, ist unser Bewusstsein und alles was dazu gehört. Wenn wir geboren werden haben wir keine Worte, Begriffe, für das was „in uns“ vorgeht und für das was wir „draußen“ sehen. Wir lernen dann im Laufe der Zeit in uns hinein zu sehen und nach draußen zu sehen. Wir lernen irgendwann in unserer Kindheit, die Außenwelt von der Innenwelt zu Unterscheiden und Aufzutrennen. Wir lernen ICH und DU, = INNENWELT und AUßENWELT.
Wir werden ein ICH.
Wir lernen Worte um diese Welten zu beschreiben. Es gibt, das ist der große Trugschluss dabei, keine feststehenden Begriffe für die Beschreibung der Welt. Es gibt Übereinkünfte, über die wir „Verhandeln“ müssen, indem wir möglichst genau unsere eigenen Wörter mit denen von Anderen vergleichen. Und möglichst genau zu Beschreiben versuchen, was wir Fühlen und vor allem auch Denken.

Denken ist nicht Digital, es geschieht in unserem Gehirn Analog. Ein Analogrechner ist von einem Digitalrechner vollkommen verschieden. Der Analogrechner Gehirn erfasst die Welt komplett, auf einmal. Alle unsere Sinne arbeiten gleichzeitig. Unser Bewusstsein fokussiert dann die Wahrnehmung auf einzelne Sinneswahrnehmungen. Wir konzentrieren uns z.B. aufs Hören und schließen dabei automatisch die Augen. Wir können dann (annähernd) wie Blinde hören und mit den Ohren „Sehen“. Das „Gehörbild“, wird in ein „Raumbild“ verwandelt! So kann sich ein Blinder im Raum orientieren. Für mit den Augen sehende spielt das Hörbild keine Rolle, sie sehen ja. Trotzdem bleibt alle Wahrnehmung, auch wenn sie vollkommen unbewusst auf der Sinnebene stattfindet ständig vorhanden. Tiere, Kinder haben „noch“ keine Begriffe ihre Wahrnehmungen zu beschreiben. „Ihnen fehlen die Worte“, die Begriffe, das „beschreibende“ Bewusstsein. Deshalb reagieren „Tiere“ mit dem ganzen Körper auf Reize. Als Lektüre empfehle ich Temple Grandin, die von sich selbst sagt, „sie empfinde wie ein Tier“.

Im Prinzip spricht jeder, ohne Ausnahme eine eigene Sprache. Wir Fühlen uns dem am Nächsten, der unsere Sprache am besten versteht und dessen Sprache wir am besten verstehen. Das heißt dann, wir sind miteinander vertraut. So vertraut, dass wir uns in den Anderen hinein versetzen können. Wenn wir das große Glück haben, finden wir ein solches Gegenüber.
Das ist für mich das höchste Glück, das nenne ich Liebe. Ich bin mit einem anderen Menschen Eins. In Gedanken und Gefühlen. Ich verschmelze.

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