Von Gemeinschaft Reden und Ausgrenzen.

Tagebuch 01032013

Von Gemeinschaft Reden und Ausgrenzen.

„Mensch Sein ist kein Privileg von Geburt an, sondern eine Möglichkeit, die nur erreicht werden kann durch menschliches Verhalten“.

„Inklusion“, frei Übersetzt: „Gemeinschaft von vielen Verschiedenen, ähnlich einem Orchester aus den verschiedensten Musikern die sich zusammengefunden haben gemeinsam ein Stück zu spielen, das Leben.“ Der Dirigent in einem Orchester ist Gleichbedeutend mit einer Idee, dem Stück, das gespielt werden soll. Wenn jeder das Stück kennt braucht es keinen Dirigenten mehr. Dann geht alles von alleine. Jeder spielt seinen Part und schweigt die übrige Zeit.

„Ich bin Grüner, ich bin Roter, ich bin Chinese, ich bin Moslem, ich bin Schornsteinfeger, ich bin Beamter, ich bin Arbeitslos, ich bin Autist, nein genauer, Asperger Autist.“ Wenn ich das sage, dann grenze ich mich aus und dann grenze ich alle anderen aus, die nicht wie ich sind.

Warum tun wir das? Die meisten werden dann sofort sagen, das ist „menschlich“. Wir wollen doch alle irgendwo dazu gehören. Wir fühlen uns in der Gruppe sicher. Leider nicht in jeder Gruppe, sondern nur in einer bestimmten Gruppe, unserer Gruppe, unserem Verein, unserer Familie, unserem Volk, unserer Glaubensgemeinschaft. Hey, ich bin Säugling, ich fühle mich nur unter Säuglingen wohl. Hey ich bin Teenie, ich fühle mich nur unter Teenies wohl. Hey ich bin Oma, ich fühle mich nur unter Omas Wohl. Hey ich bin Sudanese, ich fühle mich nur unter Sudanesen wohl. Hey ich bin Ostfriese und ich fühle mich nur unter Ostfriesen wohl. All denen sage ich, Hey, ich bin Erdenbewohner, und ich fühle mich wohl auf diesem Planeten, mit all seinen Bewohnern, mit der ganzen Verschiedenartigkeit. Ich bin Eskimo genauso wie Tuareg oder Kanake. Und wenn es sein muss, bin ich morgen Neger. Gut, ich werde nie ein Löwe sein, oder ein Eichhörnchen, Wolf, Hyäne, Beamter, Autist, Taxifahrer oder Toter. Ja, ich werde niemals ein Toter sein.

Ich werde niemals ein Toter sein, weil ich ein Lebender bin, weil ich Lebe und damit habe ich mit allem Leben etwas gemeinsam, wir leben, wir sind Lebendig. Wir sind das Leben auf diesem Planeten. Was irgendwo im Weltall geschieht, ist mir ziemlich egal. Ich bin hier und ich lebe hier und all das andere Leben ist auch hier. Ich bin hier Zuhause und all die Anderen sind auch hier zuhause. Keiner von uns hat sich diesen Planeten ausgesucht. Das wir hier sind und das Leben genießen können ist ein Geschenk. Von wem auch immer. Ganz sicher aber nicht von unseren Eltern, weil die ganz sicher das Kinderkriegen nicht erfunden haben.

Nein, sie haben das Kinderkriegen nicht erfunden. Ihre Eltern auch nicht und und und bis in die Millionste Generation zurück, da ist niemand der das Kinderkriegen erfunden hat. Mehr wissen wir nicht. Mehr brauchen wir auch nicht zu Wissen. Wir wissen, das Leben ist ein Geschenk und wir sind niemand dafür etwas Schuldig, schon gar nicht unseren Eltern. Unsere Eltern haben nicht den allergeringsten Anteil an unserem Dasein. Um es noch einmal zu sagen, sie haben das Kinderkriegen nicht erfunden, Nichts davon. Jedes Kind ist ein Geschenk, so wie das Leben ein Geschenk ist. Jedes Kind ist ein neues Leben. Jedes Kind ist ein neuer Schritt der Evolution in die Zukunft. Das gilt für alles Leben auf diesem Planeten und im gesamten Universum. Jeden Augenblick wird das gesamte Universum neu gestaltet. Jeder Tag ist ein neuer Tag. Nichts ist mehr so wie es war. Selbst unsere Zellen erneuern sich ständig. Kein Lebewesen stirbt mit den Zellen die es bei seiner Geburt hatte. Kein Atom ist mehr da wo es war. Nichts bleibt wie es ist, das IST das Leben. Fortwährende Veränderung. Auch ich bin anders. Ich bin jeden Tag anders. Ich bin nicht mehr Säugling, nicht mehr Teenie, nicht mehr Dreißig, Vierzig oder Fünfzig. Jede Sekunde bin ich ein Anderer. Ich lerne. Ich lerne jeden Tag und jede Stunde dazu. Ich verändere mich ständig auf meinem Flug durch das All. Und jede Kreisbahn, jede Ellipse ist anders. Alles ist anders, jeden Tag, wie schon gesagt, das ganze Weltall. Beständig ist tatsächlich nur die Veränderung.

Wenn ich also sage, ich bin „Autist“, dann verbaue ich mir selbst die Zukunft. Dann lebe ich in einer statischen Welt in der es keine Veränderung gibt, in der das Mensch-Sein genetisch festgelegt ist. Wie wir alle heute aber Wissen, ist das zum Glück nicht so, sonst gäbe es keine Entwicklung, keine Evolution, keine Menschen. Dann wären wir immer noch Einzeller, oder Affen. Der Mensch hat, bisher, als einziges Tier die Möglichkeit sich bei der Entwicklung, der Evolution zuzuschauen. Das sollten wir Genießen und jeden Tag als neuen Anfang, als Anfang eines neuen Lebens verstehen. Dazu müssen wir allerdings die Vergangenheit hinter uns lassen, dann müssen wir raus aus dem Bauch, raus aus der Abhängigkeit und hinein in das unbekannte neue Leben. Und Vielleicht, sind wir ein „weißes Krokodil“, dann sind wir eben anderes als die Anderen und werden das auch immer sein, auch das ist Evolution. Und vielleicht sind wir auch ein neuer Humanide, das können nur wir selbst am besten Wissen. Wir sollten uns also vor allem nicht vor uns selbst fürchten, wenn wir anders sind. Jede Geburt ist der Beginn einer Reise zu sich selbst. Kein Tier, kein Mensch kommt fertig auf die Welt, es gibt kein „out of the box“ in der Natur. Wer es schafft, ganz er selbst zu sein, der ist auch ganz in dieser Welt und im gesamten Universum zuhause. Denn wir sind aus Universum gemacht. Und das können wir Fühlen. Nur Fühlen. Wir können das Universum, die Wirklichkeit nicht Denken. Denken, Gedanken, sind nur elektrische Entladungen, eine Folgeerscheinung des Lebens. So wie ein Blitz nichts Eigenes ist, sondern nur ein Furz aus dem Darmtrakt der Atmosphäre. Denken ist nichts Eigenständiges will ich damit sagen, es ist nur eine Folgeerscheinung und genau wie ein Blitz immer neue Bilder erzeugt, ist auch unser Denken nur immer wieder ein neues Bild, gezeugt aus Wirklichkeit. Unser Leben ist nicht viel anderes, wir blitzen auf und sind auch schon wieder verschwunden. Wir sollten die kurze Zeit die wir zur Verfügung haben genießen. Wir werden geboren um Glücklich zu sein, wir sollen einen Augenblick leuchten, das ist unsere Aufgabe, das ist der Sinn des Lebens. Also Leben wir und scheißen auf die Unken. Und genießen jeden Tag und jede Sekunde und wenn uns das jemand verbieten möchte, weil wir in seinen Augen nur Unkraut sind, oder Nigger, Frauen, Kinder, Autisten, Juden, Christen, Moslems, Arbeitslose, Alkoholiker, Blöde, Zigeuner und was weiß ich noch was aus der großen Kiste der Vorurteile, dann sollten wir uns umdrehen und einfach weiter gehen. Wir sind Nomaden, wir Reisen mit über Ein hunderttausend Stundenkilometern durch das All, jeden Tag, jede Stunde, unser ganzes Leben lang. Die meisten Menschen kommen auf diesem Planeten über einen Durchmesser von dreißig Kilometern ihr ganzes Leben lang nicht hinaus. Genau so eingeschränkt ist auch ihr Horizont, ihr Denken, ihr Wissen. Sie leben wie Maulwürfe, die ab und an mal ins Licht blinzeln, die Augen von Dunkelheit verkümmert. Sie sind am Ende der Evolution angelangt, was einmal verkümmert ist, wird nicht mehr aktiviert. Wer die Dunkelheit gewählt hat, kommt aus ihr nicht mehr heraus. Entwicklung geht nur in eine Richtung, es gibt kein Zurück. Genauso wenig wie es kein Zurück in den Bauch gibt. Einmal draußen, immer draußen. Also hinaus, aber mit Hurra.

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4 Antworten zu Von Gemeinschaft Reden und Ausgrenzen.

  1. Kristin Behrmann schreibt:

    Über die Blogger-Themen-Tage 2013 habe ich nun einige Artikel gelesen. Ich stelle dabei fest, dass die Menschen, die eine Ausgrenzung erleben, bereit sind etwas zu tun. Auf die Gesellschaft zu gehen. Wo bleiben eigentlich die Verursacher? Trauen sie nicht?

  2. Andrea schreibt:

    Ich glaube, die Verursacher wissen gar nicht, dass sie Verursacher sind.

    • Reiner Sauer schreibt:

      Meiner Überzeugung nach sind die Verursacher, (auch) jene, die auch die Diagnosen stellen. Sie schützen sich vor Erkenntnis, vor Verantwortung, vor Bewusstsein. Sie leben in einer Welt die nur in ihren Köpfen existiert. „Autisten“ sind anders, weil sie die Augen nicht verschließen, sondern wach sind und sehen was ist. Das einzige Problem, dass ich dabei sehe, ist, dass sie sich in „Einzelheiten“ verlieren und das Gesamtbild nicht Wahrnehmen, können, wollen oder dürfen. Das Missverständnis ist, dass das Gesamtbild nicht „gesehen“ werden kann, sondern nur GEFÜHLT.

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